Geschichte des Schulgartens

Die Geschichte des Harburger Schulgartens reicht bis zum Jahre 1897 zurück.

Seitens der Lehrerschaft gab es die zunächst erfolglosen Bitten zur Errichtung eines Schul-, Schau – und Pflanzengartens. 1899 wurde der Anlage eines Schulgartens durch die Stadt zugestimmt. Er lag zuerst auf dem Krankenhausgelände Ecke Gazertstraße/ Eissendorferstraße. 1923 wurde er vorerst nach dem Großen Dahlen verlegt. Als dort ein Kinderheim errichtet wurde, musste der Schulgarten erneuert weichen. 1929 – 32 wurde er schließlich nördlich des Stadtparks in neuer Form auf dem heutigen Gelände angelegt. Der Schulgarten wurde auf einem 8,5 Hektar großem Sandgelände mit bis zu 30m Höhenunterschied im Rahmen von Notstandsprogrammen grundlegend neu gebaut.

Er ist in seiner Regelmäßigkeit kaum mit anderen Parkanlagen zu vergleichen. In gestalterischer Hinsicht erinnert er mehr an eine Gartenschau als an eine Stadtparkplanung. 1933 entwarf Ferdinand Hölscher den Schulgarten neu. Unter der Berücksichtigung der Topographie und die Verknüpfung bzw. Einbeziehung der bereits vorhandenen Parkanlagen in ein Gesamtkonzept entstand ein Schulgarten mit vielfältigem Nutzungsangebot.

Ziele

Der Schulgarten erfüllte hauptsächlich eine volkserzieherische Aufgabe. Er sollte für den Schulunterricht das entsprechende Pflanzenmaterial liefern und als Anschauungsgelände dienen. In der repräsentativen Hauptachse gab es einen Anzuchtgarten, einen Pflanzenliefergarten, einen Dahliengarten und die Sommerblumenterrasse. Neben der Hauptachse gliederten sich Kulturgärten und historische Gärten an. Es gab aber auch Schüler – Arbeitsgärten, Schulräume, Gewächshäuser, Biologische Gärten, Musterkleingärten und Grundschulgärten die dem Schulunterricht dienten. Ein Gymnastikraum, das Freilufttheater und der Modellierplatz dienten der sportlichen Betätigung. Der Schulgarten war aber nicht nur für die Kinder gedacht, sondern auch für interessierte Pflanzenliebhaber. Er sollte eine beliebte und gern besuchte Erholungsstätte für die Bevölkerung werden.

Um 1980 wurde der Schulgarten wieder verändert. Es entstanden die Gärten der Jahrtausende (Germanengarten, Rittergarten etc.). Die Grundstruktur des Hölscher`schen Entwurfes ist aber bis heute weitgehend erhalten geblieben.
Heute spiegeln Themengärten in stark vereinfachter Form die jeweilige Idee eines Gartens oder einer Epoche wider. Der Schulgarten besteht aus mehreren Einzelgärten, durch Hecken voneinander getrennt, die mit den typischen Stilelementen verschiedener geschichtlicher Epochen gestaltet sind.

Gezeigt werden:

  1. Germanengarten aus der Zeit von ca. 100 nach Chr. Hier werden Getreide – und Gemüsesorten angebaut. Die kleinen Beete sind mit einem 80 cm hohen Weidenzaun umgeben.
  2. Klostergarten (800 – 1200) mit Kieswegen und großpflastereingefassten Beeten, niedrigen Buchsbaumhecken, Spaliergemüse, Heilkräutern und einem kleinen Sitzplatz.
  3. Ritterlicher Lustgarten (1550 – 1700) mit bewachsenen Pergolen und kleinen buchsbaumumsäumten Staudenbeeten.
  4. Bauerngarten, der mit Obst, Gemüse und Blumen bepflanzt ist. Die geometrischen Beete sind mit Katzenkopfpflaster eingefasst oder mit Buchsbaum umsäumt.
  5. Renaissancegarten aus der Zeit von 1450 bis 1650 mit rechteckiger Grundfläche, die streng geometrisch gestaltet ist. Die kleinen Beete sind ebenfalls mit Buchsbaum eingefasst und teilweise mit Rasen oder Sommerblumen bepflanzt.
  6. Barockgarten aus der Zeit von 1620 – 1750 mit verspielten, buchsbaumumsäumten Beeten in einem geometrischen Rahmen. Ornamentformen aus Buchsbäumen sind mit Kies, Rasen und Sommerblumen ausgefüllt. Dazwischen liegt ein weites Wegnetz.
  1. Quadratischer Jugendstilgarten (1900 – 1925) der um einen runden, rosenumrankten Stahlpavillon angelegt ist. Im Zentrum der Anlage befinden sich Rosenwege und Rosenrabatten.
  2. Neuzeitlicher Garten um 1950 mit gerundeten Beetformen, die mit Sommerblumen bepflanzt sind.
  3. Arzneigarten der mit Gift – und Heilkräutern bepflanzt ist und ein Wasserbecken enthält.
  4. Blindengarten. Die Beete liegen auf einer Höhe von 80 cm und sind mit einem Holzrahmen umgeben. Die Pflanzen sind nach Themen geordnet und mit Schildern in Blindenschrift versehen. Es gibt Beete für Gräser, Duftpflanzen und Stauden. Außerdem für Blüten – und Blattformen, Sommerblumen und Zwiebelblumen. Und es gibt Beete für Moorbeetpflanzen, Nadelgehölze, Heide, Dornen, Stacheln und Früchte. Zwischen den Beeten sind Räume von ca. 2m Länge mit Gehölzen bepflanzt, die ein neues Pflanzenthema ankündigen.
  5. Literaturverzeichnis:

Albrecht, Heike; Grunert, Heino; Hellberg, Lennart

Harburg und Umgebung: Stadtteilreihe 7.1

Christians Verlag, Hamburg 1999

Ehlers, Herwyn

Gärten und Parks in Norddeutschland: Ein Führer durch Kunst und Kultur

Christians Verlag, Hamburg 1994

Holtz, Adalbert; Lachmund, Fritz

Liebes schönes Harburg: Ein Alt – Harburg Bilderbuch

Christians Verlag, Hamburg 1973

Nath – Es, Martina (Hg)

Hamburg Grün: Die Gärten und Parks der Stadt

L+H Verlag, Hamburg 1998

Poppendieck, Hans – Helmut (Hg)

Botanischer Wanderführer rund um Hamburg

Christians Verlag, Hamburg 1990